Trinkwasser

Wasservorrat anlegen: So lagern Sie Wasser für den Notfall richtig und machen es lange haltbar

Jürgen Hell
Jürgen Hell
Betriebsleiter Zivilschutz-Shop.at · Zivilschutzverband OÖ · Zivilschutz-Shop GmbH
Veröffentlicht: 14. September 2026
Zuletzt aktualisiert: 14. September 2026 ·Lesezeit ca. 7 Min.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Mindestens 2 Liter Wasser pro Person und Tag für 14 Tage – das sind 28 Liter pro Person, mit Kochen und Hygiene eher 50 Liter.
  • Kühl, dunkel und dicht verschlossen lagern: Mineralwasser in Glasflaschen hält am längsten, Leitungswasser in lebensmittelechten Kanistern oder Wasserbeuteln etwa sechs Monate.
  • Mit Wasserentkeimungstabletten bleibt gelagertes Wasser bis zu sechs Monate garantiert keimfrei – Abfülldatum notieren und regelmäßig wechseln.
  • Im Ernstfall Wasser aus Bach, Regentonne oder Boiler nie ungefiltert trinken: filtern, drei Minuten sprudelnd abkochen oder desinfizieren.
  • Ein Trinkwasserset mit Beutel, Filter und Tabletten deckt alle drei Methoden ab und passt in jeden Notfallrucksack.
Wasservorrat anlegen: So lagern Sie Wasser für den Notfall richtig und machen es lange haltbar

Fällt die Wasserversorgung aus – bei einem Blackout, nach einem Hochwasser oder wegen eines Rohrbruchs im Ort –, kommt aus dem Hahn nichts mehr oder nichts, das man trinken sollte. Der Körper hält ohne Flüssigkeit nur wenige Tage durch, und die Supermarktregale sind bei einer größeren Störung innerhalb von Stunden leer. Ein eigener Wasservorrat ist deshalb der wichtigste Teil jeder Krisenvorsorge. Dieser Beitrag zeigt, wie viel Wasser Sie brauchen, wie Sie es richtig lagern und wie Sie es im Ernstfall lange haltbar machen.

Warum ist ein Wasservorrat im Notfall so wichtig?

Weil Wasser neben Sauerstoff das wichtigste Element für unseren Körper ist und sich – anders als Lebensmittel – nicht durch etwas anderes ersetzen lässt. Als Faustregel gilt: Der Mensch kommt rund drei Tage ohne Flüssigkeit aus. Die Folgen von Wassermangel setzen aber viel früher ein.

Wasser transportiert Mineralstoffe und Spurenelemente, führt Abbauprodukte ab und reguliert die Körpertemperatur. Schon ein leichter Flüssigkeitsmangel mindert Aufmerksamkeit, Konzentration und Urteilsfähigkeit – genau die Fähigkeiten, die in einer Krise am meisten gebraucht werden. Dazu kommt, dass Wasser nicht nur zum Trinken gebraucht wird: Kochen, Zähneputzen, Hände waschen und die Toilettenspülung hängen ebenfalls daran.

Gut zu wissen: Bei einem großflächigen Stromausfall fallen auch die Pumpen der Wasserwerke und Hausanlagen aus. In vielen Gebäuden versiegt der Wasserhahn deshalb schon nach wenigen Stunden – auch wenn das Wasser im Netz eigentlich noch da wäre. Wie lange Sie ohne Strom auskommen müssen, lässt sich mit dem Blackout-Rechner abschätzen.

Wie viel Wasser sollten Sie für den Notfall lagern?

Die Zivilschutzverbände empfehlen mindestens 2 Liter Trinkwasser pro Person und Tag, und der Vorrat sollte für 10 bis 14 Tage reichen. Für eine Person ergibt das rund 28 Liter für zwei Wochen. Wer zusätzlich Wasser für Kochen und Hygiene einplant, rechnet besser mit 3 bis 4 Litern pro Person und Tag.

Haushalt Nur Trinken (2 l/Tag) Trinken + Kochen + Hygiene (3,5 l/Tag)
1 Person, 14 Tage 28 Liter 49 Liter
2 Personen, 14 Tage 56 Liter 98 Liter
4 Personen, 14 Tage 112 Liter 196 Liter

Haustiere, Säuglinge (Milchnahrung) und Personen, die Medikamente mit viel Flüssigkeit einnehmen, brauchen zusätzlich Wasser. Den Bedarf für Ihren Haushalt inklusive Lebensmittel rechnet der Vorratsrechner in wenigen Sekunden aus.

Wie lagern Sie Wasser für den Notfall richtig?

Es gibt zwei Wege, einen Wasservorrat anzulegen: gekauftes Mineralwasser oder selbst abgefülltes Leitungswasser. Beide funktionieren, wenn drei Bedingungen stimmen – kühl, dunkel und dicht verschlossen. Die passenden Behälter und Hilfsmittel finden Sie in der Kategorie Trinken & Wasser.

Mineralwasser: die einfachste Lösung

Abgefülltes Mineralwasser ist keimfrei verschlossen und braucht keine Vorbereitung. Achten Sie auf das Mindesthaltbarkeitsdatum – in Glasflaschen ist es meist deutlich länger als in Kunststoffflaschen, weil Glas keine Stoffe an das Wasser abgibt und keine Luft durchlässt. Stilles Wasser hält sich länger als kohlensäurehaltiges; das Kohlendioxid entweicht mit der Zeit und die Flaschen verlieren an Druck. Lagern Sie die Kisten im Keller oder in einem Abstellraum ohne direktes Sonnenlicht und fern von Heizkörpern.

Ein bewährtes Prinzip ist das Rotieren: Kaufen Sie regelmäßig neues Wasser dazu, verbrauchen Sie das älteste zuerst, und der Vorrat bleibt von selbst frisch.

Leitungswasser in Kanister oder Wasserbeutel abfüllen

Leitungswasser in Österreich hat Trinkwasserqualität und eignet sich gut für den Vorrat, wenn der Behälter passt. Er muss lebensmittelecht (mit Glas-Gabel-Symbol gekennzeichnet), lichtundurchlässig oder dunkel gelagert und dicht verschließbar sein. Vor dem Befüllen wird er gründlich gereinigt und mit klarem Wasser ausgespült; beim Abfüllen lassen Sie das Wasser einige Sekunden laufen, bis es kühl aus der Leitung kommt.

  • Wasserkanister: stabil, stapelbar, mit Hahn bequem zu zapfen. Ein 15-Liter-Kanister ist noch tragbar und reicht für eine Person etwa eine Woche.
  • Wasserbeutel: faltbar und platzsparend – leer passt ein 30-Liter-Wasserbeutel in jede Schublade, befüllt steht er in der Badewanne oder unter dem Tisch. Ideal für kleine Wohnungen.
  • Nicht geeignet: gebrauchte Milch- oder Saftflaschen, Behälter aus Weichplastik, Kanister, in denen einmal Chemie oder Treibstoff war, sowie Metallgefäße ohne Innenbeschichtung.

Wie lange kann man Wasser in einem Kanister lagern?

Unbehandeltes Leitungswasser in einem sauberen, lebensmittelechten und dicht verschlossenen Kanister hält sich bei kühler, dunkler Lagerung etwa sechs Monate – danach sollte es ausgetauscht werden. Mit Wasserentkeimungstabletten konserviert bleibt es laut Hersteller bis zu sechs Monate garantiert keimfrei, in der Praxis oft deutlich länger, solange der Behälter geschlossen bleibt.

Drei Dinge verkürzen die Lagerdauer erheblich: Licht (fördert Algenbildung), Wärme (beschleunigt das Keimwachstum) und jedes Öffnen des Behälters (bringt Keime aus der Luft ein). Notieren Sie das Abfülldatum mit einem wasserfesten Stift auf dem Kanister und setzen Sie sich eine Erinnerung zum Wechseln – das ausgetauschte Wasser muss nicht weg, es eignet sich zum Gießen oder Putzen. Ein Vorrat, der lange steht, schmeckt manchmal abgestanden; das ist unbedenklich und lässt sich durch mehrmaliges Umgießen zwischen zwei Gefäßen beheben.

Wie machen Sie Wasser im Katastrophenfall lange haltbar?

Drei Methoden haben sich bewährt: chemisch konservieren, abkochen und filtern. Sie ergänzen einander – wer alle drei beherrscht, kann aus fast jeder Quelle sicheres Trinkwasser gewinnen. Das Trinkwasserset bündelt Wasserbeutel, Filter und Entkeimungstabletten in einem Paket.

Konservieren mit Wasserentkeimungstabletten

Wasserentkeimungstabletten auf Silberionen-Basis wie Micropur töten Bakterien ab und verhindern, dass sich im gelagerten Wasser neue Keime bilden. Eine Tablette konserviert je nach Ausführung einen Liter oder mehr; klares Leitungswasser bleibt damit bis zu sechs Monate haltbar. Die Tabletten sind geschmacksneutral, lange lagerfähig und nehmen im Notfallset kaum Platz weg. Wichtig: Sie wirken nur in klarem Wasser – trübes Wasser wird vorher gefiltert.

Abkochen

Die älteste Methode funktioniert ohne jedes Hilfsmittel, braucht aber Energie: Wasser mindestens drei Minuten sprudelnd kochen, dann abkühlen lassen. Dabei werden fast alle Mikroorganismen abgetötet; nur wenige hitzeresistente Keime überstehen 100 °C. Bei einem Stromausfall sorgt eine Notkochstelle dafür, dass Sie überhaupt kochen können. Abgekochtes Wasser sollte abgedeckt und innerhalb von ein bis zwei Tagen verbraucht werden, weil es nicht konserviert ist.

Filtern

Ein Wasserfilter entfernt Bakterien, Protozoen und Schwebstoffe mechanisch, ganz ohne Chemie. Handliche Lösungen wie die Wasserflasche mit Filter (BeFree) machen Wasser aus Bach oder Regentonne direkt beim Trinken sauber – praktisch für unterwegs und für den Notfallrucksack. Gegen Viren und chemische Verunreinigungen helfen Filter allein nicht; hier wird zusätzlich abgekocht oder mit Tabletten desinfiziert.

Methode Wirkt gegen Geeignet für
Entkeimungstabletten Bakterien, Keimwachstum bei Lagerung Vorrat haltbar machen, klares Wasser
Abkochen Bakterien, Viren, Parasiten Unsicheres Wasser sofort trinkbar machen
Filter Bakterien, Parasiten, Trübstoffe Natürliche Quellen, unterwegs

Welche Wasserquellen können Sie im Notfall nutzen?

Wenn der Vorrat zur Neige geht, gibt es im und ums Haus mehr Wasser, als man denkt – nur eben nicht alles in Trinkqualität. Im Haus lohnt ein Blick in den Warmwasserboiler (je nach Modell 80 bis 200 Liter), in den Spülkasten der Toilette (nur für Hygiene) und in Eiswürfelfächer. Draußen kommen Regenwasser, Bäche, Flüsse und Teiche in Frage.

Jede dieser Quellen kann Krankheitserreger oder Schadstoffe enthalten – Regenwasser vom Dach ebenso wie das klarste Bachwasser. Deshalb gilt ohne Ausnahme: Gesammeltes Wasser wird gefiltert, abgekocht oder mit Entkeimungstabletten desinfiziert, bevor es getrunken wird. Verunreinigtes Wasser richtet in einer Krise mehr Schaden an, als es hilft, weil Durchfallerkrankungen den Körper zusätzlich austrocknen.

Checkliste: Wasservorrat anlegen in sechs Schritten

  • Bedarf berechnen: mindestens 2 Liter pro Person und Tag für 14 Tage – besser 3 bis 4 Liter, wenn Kochen und Hygiene dabei sein sollen.
  • Behälter wählen: Mineralwasser in Glasflaschen oder lebensmittelechte Kanister und Wasserbeutel aus der Kategorie Trinken & Wasser.
  • Kühl, dunkel und verschlossen lagern; Abfülldatum notieren, Leitungswasser alle sechs Monate wechseln.
  • Wasserentkeimungstabletten bereithalten, um Vorrat und gesammeltes Wasser haltbar zu machen.
  • Filter und Notkochstelle einplanen, damit Sie auch aus Bach oder Regentonne trinken können.
  • Alles griffbereit halten – am einfachsten mit einem fertig gepackten Set aus der Kategorie Notfall-Sets & Rucksäcke, das Wasser, Nahrung und Licht für die ersten Tage abdeckt.

Häufige Fragen

Wie viel Wasser sollte ich für den Notfall lagern?
Mindestens 2 Liter pro Person und Tag für 10 bis 14 Tage, also rund 28 Liter pro Person. Wer auch Kochen und Hygiene abdecken will, plant 3 bis 4 Liter pro Person und Tag ein.
Wie lange kann man Wasser in einem Kanister lagern?
Unbehandeltes Leitungswasser in einem sauberen, lebensmittelechten und dicht verschlossenen Kanister hält kühl und dunkel gelagert etwa sechs Monate. Mit Wasserentkeimungstabletten konserviert bleibt es bis zu sechs Monate garantiert keimfrei, meist deutlich länger.
Wie mache ich Wasser im Katastrophenfall lange haltbar?
Klares Wasser mit Wasserentkeimungstabletten auf Silberionen-Basis konservieren. Trübes Wasser vorher filtern. Abgekochtes Wasser ist sofort trinkbar, aber nicht konserviert und sollte innerhalb von ein bis zwei Tagen verbraucht werden.
Ist Mineralwasser oder Leitungswasser besser für den Vorrat?
Beides funktioniert. Mineralwasser ist keimfrei verschlossen und braucht keine Vorbereitung, in Glasflaschen ist es besonders lange haltbar. Leitungswasser ist günstiger, muss aber in lebensmittelechten Behältern gelagert und alle sechs Monate gewechselt werden.
Kann ich Regenwasser oder Bachwasser trinken?
Nur nach Aufbereitung. Beide können Krankheitserreger und Schadstoffe enthalten. Filtern Sie das Wasser, kochen Sie es mindestens drei Minuten sprudelnd ab oder desinfizieren Sie es mit Entkeimungstabletten.
Wie erkenne ich, ob gelagertes Wasser noch gut ist?
Klares Wasser ohne Geruch und ohne Trübung ist in der Regel in Ordnung. Ein abgestandener Geschmack ist unbedenklich und verschwindet durch Umgießen. Bei Trübung, Geruch oder sichtbaren Ablagerungen das Wasser nicht mehr trinken, sondern zum Putzen oder Gießen verwenden.
Jürgen Hell
Jürgen Hell
Betriebsleiter Zivilschutz-Shop.at · Zivilschutzverband OÖ bei Zivilschutz-Shop GmbH

Jürgen Hell leitet den Betrieb des Zivilschutz-Shop.at und ist Mitarbeiter des Zivilschutzverbands Oberösterreich. Seit über 20 Jahren ist er aktiv bei der Feuerwehr – seine Einschätzungen zu Brandursachen stammen aus Einsätzen, nicht aus Broschüren. Schwerpunkte: vorbeugender Brandschutz im Haushalt, Rauchwarnmelder und Löschmittel sowie der sichere Umgang mit Lithium-Akkus. Erreichbar unter hell@zivilschutz-shop.at und 0732 / 27 21 21.

Stand: September 2026. Die Mengenempfehlungen folgen den Vorgaben der Zivilschutzverbände; Haltbarkeitsangaben zu Konservierungsmitteln beziehen sich auf die Herstellerangaben.